Buora, Maurizio - Lazar, Irena - Moretti, Cesare (eds): Intorno all’Adriatico - atti del convegno di Trieste e Pirano, 30-31 maggio 2009 (Quaderni friulani di archeologia, 19, 2009), 248 p., 56 figg. a colori, 142 in B/N, formato 20,5 x 24, ISSN 1122-7133
(Editreg, Trieste 2010)

 
Compte rendu par Erwin Pochmarski, Universität Graz
(erwin.pochmarski@uni-graz.at)

 
Nombre de mots : 2852 mots
Publié en ligne le 2011-09-27
Citation: Histara les comptes rendus (ISSN 2100-0700).
Lien: http://histara.sorbonne.fr/cr.php?cr=1182
 
 

          Der vorliegende Band der Zeitschrift Quaderni friulani di archeologia hat die Akten der XII Giornate nazionali del Vetro zum Inhalt, die in Trieste (Triest) und Piran (Pirano) vom Comitato italiano dell’Association Internationale pour l’Histoire du Verre, den Civici Musei di Trieste und dem Inštitut za dediščino Sredozemlja (Istituto per il Patrimonio Mediterraneo) in der Zeit vom 30.-31. Mai 2009 veranstaltet wurden. Wie aus der einleitenden Präsentation durch die Herausgeber (S. 6-7) hervorgeht, hatte die Tagung neben dem Glas in der Antike auch die Glasproduktion im Mittelalter und der Neuzeit zum Gegenstand sowie die Handelsrouten, die Herstellungstechnik und die formalen Gegebenheiten. Die Tagungsakten umfassen 25 Beiträge von insgesamt 35 Autoren, darunter neben der Mehrzahl der Beiträge aus Italien auch solche, die sich auf Fundstellen in Griechenland, Kroatien und Slowenien beziehen. Neben den topographischen und chronologischen Aspekten kommen auch Überlegungen zur Zusammensetzung des Glases zur Sprache.

 

          Da die Reihung der Beiträge diesen drei Gesichtspunkten nur zum Teil folgt, soll in dieser Rezension versucht werden, die topographischen und chronologischen Elemente stärker zu betonen. Der erste Beitrag (L. Mandruzzato – M. Vidulli Torlo, Dalle sponde levantine. Traffico di vetri antichi lungo le rotte mercantili del Mediterraneo orientale dalle collezioni del Civico Museo di Storia ed Arte di Trieste. Mostra a cura di L. Mandruzzato – M. Vidulli Torlo, 30. Mai – 20. Juli 2009, Civico Museo Sartoria, Trieste, S. 22-26) fällt insofern aus der Reihe, als er sich mit den Glasobjekten in der anlässlich der Tagung eröffneten Ausstellung in Triest mit kurzen Beschreibungen und Bemerkungen zur Herkunft befasst. Leider ist die Zahl der Abbildungen sehr gering (4); zudem sind die Abbildungen nicht leicht dem Text zuzuordnen. Das Museum von Triest liefert noch den Stoff für einen weiteren Beitrag (A. Giovannini, Alcuni tipi di ornamenti per il collo dalle collezioni del Civico Museo di Storia ed Arte di Trieste, S.119-125), wobei in beiden Fällen die Frage der Herkunft der Stücke problematisch ist. Bei den im Beitrag von A. Giovannini angesprochenen Fundstücken handelt es sich um Anhänger von zweierlei Typen, nämlich in Form von kleinen Krügen (brochette) und von horizontal aufgehängten Anhängern. Beide Typen stammen aus dem 4. Jh. n. Chr., als ihr Ursprungsort wird von der Autorin Aquileia angenommen.

 

          Eine gewisse Sonderstellung nimmt auch der Beitrag von A. C. Antonaras (Glass doves and globes from Thessaloniki. North Italian imports or local products?; S. 27-33) ein, bei dem es um vogelgestaltige bzw. kugelförmige Unguentarien mit kurzem Hals geht (Isings 11 bzw. 10). Bei den Ausgrabungen in Saloniki wurden vor allem im Bereich des O-Friedhofs mehr als 40 Exemplare vogelgestaltiger Unguentarien, aber auch 30 Exemplare kugelförmiger Unguentarien gefunden. Diese Gefäßtypen sind sonst vor allem in den Westprovinzen verbreitet (Gebiet des Tessin, von Avenches und Lyon). Aufgrund der Abweichungen in der Größe möchte der Autor vermuten, dass es in Saloniki oder Makedonien im 1. Jh. n. Chr. eine eigene Werkstatt gegeben haben könnte.

 

          Unmittelbar auf Aquileia beziehen sich drei Beiträge. Im Ersten (M. Buora – L. Mandruzzato – M. Verità, Vecchie e nuove evidenze di officine vetrarie Romane ad Aquileia, S. 51-58) geht M. Buora den Indizien für eine Glasbearbeitung in Aquileia nach. Dabei handelt es sich um Abfälle aus der Glasbearbeitung und Schlacken, die sich in den Randzonen der antiken Stadt oder in deren unmittelbarer Peripherie lokalisieren lassen. Dabei spielt offensichtlich die Nähe zu anderen Produktionsstätten, zu Straßenkreuzungen und zu Wasserläufen (so z. B. bei dem Gebiet in der Verlängerung des canale Anfora westlich der Stadtmauer) eine wichtige Rolle. Der zweite unmittelbar auf Aquileia bezügliche Beitrag (L. Mandruzzato, Bottiglie in vetro con marchio da recenti scavi ad Aquileia e Trieste, S. 159-163) befasst sich mit Fragmenten von Flaschen des Typus Isings 50 mit Böden mit Stempelmarken. Es handelt sich dabei einerseits um Fundstücke aus einer Notgrabung im Bereich des canale Anfora in der località Marignane in Aquileia und andererseits um Stücke aus einer anderen Notgrabung in Triest in der via S. Michele, die man vielleicht auch auf den Herstellungsort Aquileia wird beziehen können. Hier sei auf zwei sprachliche Schwierigkeiten hingewiesen: Auf S. 161 ist von einem „cerchio che racchiude quattro elementi ovali“ (Fig. 1 h) die Rede, womit wohl ein sphärisches Quadrat gemeint ist; Ähnliches gilt wohl auch für das „elemento cruciforme inscritto in un cerchio“ (Fig. 1 i), bei dem es wohl auch um den Teil eines sphärischen Quadrats handelt; eine Unklarheit besteht auf der S. 161, wo zunächst vom „abitatato di età romana“, wenig später aber im selben Atemzug von „edifici abitativi extra urbani“ die Rede ist. Der dritte Beitrag zu Aquileia (A. Marcante – M. Novello – M. Bueno, Aquileia (UD), Casa delle bestie ferite. Il materiale vitreo: Rapporto preliminare, S. 165-170) stellt nun wirklich einen nur vorläufigen Bericht zu den Glasfunden der Grabungskampagnen von 2007 bis 2009 aus der Casa delle bestie ferite dar, wobei es sich bei den in den oberflächlichen Schichten ergrabenen Fundstücken um Typen aus der Spätantike handelt. In die regio decima gehören auch die Glasfunde aus den Nekropolen von Montebelluna (C. Casagrande – A. Larese, I vetri di Montebelluna: analisi delle forme in rapporto alle associazioni di corredo, S. 71-79) an, wobei vor allem die Nekropole von Posmon (loc. Le Rive) mit mehr als 350 Gräbern aus der Zeit vom 6. Jh. v. Chr. bis zum 2. Jh. n. Chr. von großem Interesse ist.

 

          Auf die Verbreitung von Glasfunden an den Küsten der Adria in der Antike beziehen sich die Beiträge von G. M. Facchini (La diffusione dei vetri a mosaico sulle sponde dell’Adriatico in età Romana, S. 111-117), L. Sartori (Diffusione di rhytà vitrei di epoca Romana in Italia settentrionale e sulle sponde del mare Adriatico, S. 203-212) und von G. Montevecchi (Un contenitore in vetro dal pozzo dell’area termale nella villa Romana di Russi [Ravenna], S. 179-183). G. M. Facchini erörtert über ihre Publikation von 2007 hinausgehend (1) die Zirkulation von Mosaikglas auch im Gebiet der östlichen Adria. Die Fundstücke erreichen vor allem im 1. Jh. v. Chr. auch dieses Gebiet und gehören somit der früheren Phase der Produktion von Mosaikglas an. Als Produktionszentren möchte die Verf. Hadria (Atri) und Aquileia ansehen. L. Sartori hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Produktion und Verbreitung der Glasrhyta in Oberitalien und an den Küsten der Adria zu erfassen. Für diese kommen die Formen Isings 73a und 73b in Frage; die nicht zahlreichen Glasrhyta – der Katalog in dem Beitrag umfasst 23 Exemplare – kommen vor allem zwischen dem 1. und dem 2. Jh. n. Chr. vor und werden seit dem 3. Jh. n. Chr. durch Trinkhörner ersetzt. Als Zentrum der Produktion der Form Isings 73a möchte die Autorin Aquileia annehmen. G. Montevecchi behandelt einen Glasbecher aus einem ursprünglich für Regenwasser vorgesehenen Brunnen, der in den obersten beiden Schichten Abfälle enthielt, die in Verbindung mit Überschwemmungen im frühen Mittelalter bzw. mit der Aufgabe der Villa von Russi in der späten Kaiserzeit stehen, während sich in der dritten und untersten Schichte in den Brunnen gefallene Objekte aus der mittleren Kaiserzeit befinden, darunter auch der Becher Isings 34, der allerdings vom Ende des 1. Jhs. n. Chr. bis zum 4. Jh. n. Chr. läuft.

 

          In diesem Zusammenhang sollen nun auch die Beiträge zu Glasfunden aus dem Gebiet der römischen Provinz Dalmatia besprochen werden. Einen Überblick über signierte Gläser gibt der Beitrag von Z. Buljević (Traces of Glassmakers in the Roman Province of Dalmatia, S. 35-50), wobei hier besonders die Fragmente von Glasbechern aus der Werkstatt des Ennion und des Aristeas genannt werden; vom ersten hat sich die Signatur auf mehr als 30 Glasartikeln erhalten. Die Autorin geht auch allgemein auf die Fragen der Herkunft und der Datierung des Ennion ein, wobei hier in der verwendeten Literatur das Handbuch von A. v. Saldern vermisst wird (2). Der Beitrag von Š. Perović (Tazza di vetro a forma di pigna da Zara, S. 185-192) setzt sich, ausgehend von einem Exemplar im Museum von Zadar (Zara), das bei den Ausgrabungen der Nekropole „Relja“ im römischen Iader gefunden wurde, mit der Frage von Gefäßen in Art eines Zedern- bzw. Pinienzapfens auseinander. Für den einhenkeligen Krug in Zadar lassen sich keine exakten typologischen Parallelen finden, wohl aber Ähnlichkeiten bei der Gefäßform der Balsamarien. Die Produktion der entsprechenden Exemplare lässt sich auf die 2. Hälfte des 1. Jhs. n. Chr. einschränken, die Produktionszentren sind im Tessin, im Pavese und im Piemont zu suchen.

 

          Funde aus der Provinz Pavia (regio XI) werden in dem Beitrag von M. G. Diani – R. Invernizzi – F. Rebajoli (Recenti attestazioni di vetri in Lomellina: la necropoli di Garlasco (PV) – Cascina Solferina, S. 103-110) behandelt. Die Nekropole Cascina Solferino von Garlasco (PV) umfasst 20 Brandgräber aus der Mitte des 1. Jhs. n. Chr., von denen die (Frauen-)Gräber 9 und 17 ausführlicher besprochen werden, die sich durch eine besondere Vielfalt von Formen der Glasgefäße auszeichnen.

 

          Das Gebiet von Picenum (regio V) in Mittelitalien ist Gegenstand des Beitrags von S. Cingolani (Vetri romani dallo scavo e del territorio di Urbs Salvia: note preliminari, S. 81-90), wobei von der Autorin ein erster Überblick über die charakteristischen Formen der Glasgefäße gegeben wird, die bei den Ausgrabungen im heutigen Urbisaglia (prov. Macerata) gefunden worden sind. Die Gefäßfragmente gehören dem 1. Jh. n. Chr. an. Bezüglich der bevorzugten Handelkontakte von Urbs Salvia widersprechen einander die Angaben auf S. 81 und in der Anm. 2 in auffälliger Weise.

 

          Von den Fundplätzen ganz abweichende Herkunftsorte ergeben sich für antike Gläser in zwei Beiträgen. Der eine Beitrag (I. Lazar, La bottiglia di Poetovio con rappresentazione del Faro di Alessandria. Un raffinato oggetto con decorazione incisa proveniente dall’Egitto, S. 147-158) befasst sich in erster Linie mit einer zylindrischen Flasche mit graviertem Dekor, der vor allem den Pharos von Alexandrien zeigt. Ähnliche Flaschen aus dekoloriertem Glas sind vor allem vom Ende des 2. bis zum Anfang des 4. Jhs. n. Chr. verbreitet. Zu der eingehenden Beschreibung der Darstellungen auf der Flasche aus Poetovio (Ptuj, Pettau) seien ein paar Bemerkungen erlaubt. Bei dem angeblich zurückflatternden Mantel der sitzenden männlichen Figur könnte es sich auch um Flügel handeln; an der Kopfbedeckung ist der zurückspringende Federschwanz (?) nicht erwähnt; jedenfalls handelt es sich bei dem Ganzen kaum um das Nemes-Kopftuch; die Beischriften zu den beiden Abbildungen 2 und 3 sind vertauscht (S. 149); wenn die Statue auf dem Pharos Zeus Soter darstellt, so dürfte sie keine Lanze, sondern eher ein Szepter gehalten haben (S. 151). I. Lazar weist die in Poetovio in einem Grab gefundene Flasche nicht zuletzt wegen der Dekoration einer ägyptischen Werkstatt zu, wegen des Dekors der „contour-groove-group“. – Der Beitrag von L. Vattuone (Produzioni altoadriatiche antiche e moderne di vetri dorati, S. 229-236) geht zunächst der Verbreitung der antiken Goldgläser anhand der antiken Handelswege bzw. – wohl eher zutreffend – den Wegen des Antikenhandels nach. So dürfte auch das Auftreten von Goldgläsern an der oberen Adria eher auf das Sammlertum als auf eine lokale Werkstatt zurückzuführen sein. Auch der detaillierte Vergleich von vier Goldgläsern aus Đakovo (Kroatien) bzw. in Budapest, Museum der Schönen Künste, belehrt darüber, dass die Stücke kaum auf eine pannonische Werkstätte zurückgehen, sondern - bis auf ein wohl modernes Stück - auf Werkstätten in Rom. Höchstens für das eine Exemplar kann die im Titel genannte Produktion an der oberen Adria gelten, für die anderen drei nicht.

 

          Die beiden Beiträge zu den Glasfunden in Apulien und der Basilicata (R. Caprara, I vetri nella ricerca archeologica degli ultimi trent’anni in Puglia e Basilicata, S. 59-69) bzw. zu jenen in Kalabrien (A. Coscarella, Aspetti formali e periodizzazione dei prodotti vitrei nella Calabria medievale, S. 91-101) führen einerseits nach Unteritalien, andererseits über die Antike hinaus in das Mittelalter. Ausgangspunkt für R. Caprara sind die Arbeiten von G. B. Harden und D. Whitehouse (3), in deren Gefolge er versucht, einen Überblick über die archäologischen Arbeiten der letzten 30 Jahre in diesem Gebiet zu geben, der von der Antike , besonders der Spätantike, über das Frühmittelalter bis zum Spätmittelalter reicht. Ausgehend von den beiden von ihr herausgegebenen Publikationen aus 2003 und 2007 (4) unternimmt A. Coscarella den Versuch einer Zusammenfassung der derzeitigen Kenntnisse zu den mittelalterlichen Gläsern aus Kalabrien, wobei die geographische Situation sowie die historischen und kulturellen Veränderungen in den Jahrhunderten zwischen der byzantinischen und der normannischen Zeit sowie in der Folge der staufischen Herrschaft, der Herrschaft der Anjou und der Herrschaft des Hauses Aragón eine Rolle spielen. Die Autorin überprüft das publizierte Material und analysiert den gegenwärtigen Stand der Untersuchungen anhand der Kontexte Städte, Dörfer, Befestigungen, Kirchen und Friedhöfe, wobei diese eine untergeordnete Rolle spielen. Ein Nachteil der Publikation ist es, dass die besprochenen Gefäßformen nicht illustriert werden.

 

          In das frühe Mittelalter führt der Beitrag von M. Uboldi (Lo sviluppo del calice altomedievale con elementi “a colonnine” tra gambo e coppa, S. 221-228). Bei dem untersuchten Gefäßtypus handelt es sich um einen speziellen Kelchbecher, der eine Ableitung von Isings 111 darstellt und durch vier Säulchen mit Bögen zwischen dem Fuß und der Gefäßschale charakterisiert ist. Die entsprechenden Exemplare, von denen zehn bekannt sind, wurden im Gebiet von der oberen Adria über Piemont bis zum westlichen Ligurien gefunden und reichen zeitlich vom Ende des 5. Jhs. n. Chr. bis zum 9. Jh.

 

          Bereits in die Neuzeit führen die Beiträge von Ch. Guarnieri (Vetri da contesti postclassici di Faenza [XV-XVIII secolo], S. 127-136) und von M. Minini (Reperti vitrei da un’indagine archeologica presso Piazza San Marco a Venezia: l’intervento nell’ex Cinema San Marco, S. 171-177). Im ersten Artikel geht es um das Material aus stratigraphisch gut datierbaren Abfallgruben aus dem Zentrum von Faenza. Obwohl neben der massiven Präsenz von Keramik in den Gruben die Zahl von Objekten aus Glas (3 % des Fundmaterials) relativ gering ist, können doch beliebte Gefäßtypen (z. B. fußlose Becher und Kelche, Ampullen und Fläschchen für medizinische und kosmetische Zwecke) bzw. Fensterglas unterschieden werden. Im zweiten Beitrag legt die Autorin Glasfunde aus einer Notgrabung aus der Zone des Ex Cinema San Marco in der Nähe von S. Marco und in unmittelbarer Nachbarschaft der Kirche S. Moisé in Venedig vor. Vor allem gegenüber dieser Kirche wurden in der Verfüllung eines Sammelkanals Keramik und Gläser aus dem späten 16. bis zur Mitte des 18. Jhs. gefunden.

 

          Mit Fragen der Zusammensetzung der Glasfunde bzw. mit den Ergebnissen von chemischen Untersuchungen in diesem Zusammenhang befassen sich drei Beiträge. In zwei Fällen handelt es sich dabei um Funde aus den Wracks von Schiffen. C. Jackson (Compositional case studies: Glass from the Gnalić Wreck, S. 137-145) befasst sich mit der Glasladung eines 1967 vor der Felseninsel von Gnalić an der dalmatinischen Küste südlich der Stadt Biograd im Bereich einer besonders im 16. und frühen 17. Jh. beliebten Schifffahrtsroute entdeckten Wracks. Von den 6500 Stücken der Glasladung sind 75 % Glasgefäße, davon wieder 90 % Kelche. Wegen der scheinbar schlechten Qualität des Glases wurde von der Forschung zunächst eine Herkunft aus Murano ausgeschlossen. Durch chemische Analysen konnte festgestellt werden, dass die Qualität des Glases der des vitrum blanchum aus Venedig entspricht. Der zweite Beitrag, der sich mit der Ladung eines untergegangenen Schiffes befasst, ist der von I. Radić Rossi (Il vetro grezzo e le altre materie prime del relitto Romano di Mljet [Meleda], Croazia, S. 193-202). Es geht hier um die Ladung eines Schiffwracks, in dem eine große Menge von Keramik und Rohglas gefunden wurde. Die Herkunft des Rohstoffes Glas wird von der Autorin im östlichen Mittelmeerraum angenommen (z. B. Sand aus dem Fluss Na’aman nördlich von Haifa). Interessant sind auch Stücke von Bleikarbonat (PbCO3), bei dem es sich um die einzige künstliche weiße Farbe in der Antike handelt. Schließlich behandeln Ž. Šmit – M. Kos (Non-destructive Analysis of the Movable Cultural Objects – Studies of Glass in the National Museum of Slovenia, S. 213-219) die Ergebnisse gemeinsamer Projekte des Jožef Stefan Instituts und des Nationalmuseums von Slowenien anhand von 400 Glasgefäßen des Laibacher Museums, wobei die Frage gestellt wurde, ob das Glas aus Venedig oder Ljubljana (Laibach) stamme. Die chemischen Analysen ergeben, dass dieselbe Art von Alkalien in Venedig und in Laibach verwendet wurde, wobei allerdings in Laibach die Produktion des vitrum blanchum noch 70 Jahre nach der Erfindung des cristallo anhielt.

 

          Den Herausgebern wird man für die rasche Publikation der Tagungsakten sehr zu danken haben. Die Ausstattung des Bandes ist ausgezeichnet. Auf den S. 11-21 findet sich eine Reihe sehr guter Farbabbildungen, auf die aber leider im Text der Beiträge nicht verwiesen wird. In dieser Reihe von Kurzbeiträgen sind auch Ansätze zu Synthesen enthalten, jedenfalls aber wichtige neue Erkenntnisse.

 

(1) G. M. Facchini, La diffusione del vetro a mosaico nell’Italia Settentrionale (Milano 2007).

(2) A. v. Saldern, Antikes Glas (München 2004); zu Ennion: 237-245.

(3) G. B. Harden, Some Glass Fragments mainly of the 12th-13th Century form Northern Apulia, JGS 7, 1966, 70-79; D. Whitehouse, Ceramiche e vetri medievali provenienti dal Castello di Lucera, BdA 1966, 171-178.

(4) A. Coscarella (Hrsg.), Il vetro in Calabria. Contributo per una carta di distribuzione delle presenze in Italia (Soveria Mannelli 2003); A. Coscarella (Hrsg.), La conoscenza del vetro in Calabria attraverso le ricerche archeologiche, Atti della Giornata di Studio (Università della Calabria, 12. März 2004) (Soveria Mannelli 2007).