Simantoni-Bournia, Eva - Lemos, Anna A. - Mendoni, Lina G. - Kourou, Nota (Hgg.): Amumona erga, Timètikos tomos gia ton kathègètè Basilè K. Lambrinoudakè, Archaiognosia, Supplement 5. 588 S. Lex. 8° (28,8 x 21,4 cm). ISBN 973-960-6608-76-6. ISSN 0258-2600
(Athen, M. Kardamitsa 2007)

 
Compte rendu par Dietrich Willers, Universität Bern
(dwillers@hera.wit.ch)

 
Nombre de mots : 2979 mots
Publié en ligne le 2008-02-29
Citation: Histara les comptes rendus (ISSN 2100-0700).
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[s. das Inhaltsverzeichnis am Schluss]

Der – homerische – Titel dieser Festschrift zielt auf das wissenschaftliche Werk des Geehrten, des langjährigen Ordinarius der Klassischen Archäologie an der Universität von Athen. Der reichhaltige Band wurde aus Anlass seiner Emeritierung im Jahr 2006 konzipiert. Pikanterweise stellen sich jedoch in der gewählten Formulierung nun auch die 44 hier versammelten Beiträge unter den gleichen Anspruch „trefflicher Werke“, und die kritische Berichterstattung hat zu prüfen, ob sie der Forderung des Titels standhalten. Die Herausgeberinnen hatten offensichtlich keine engeren inhaltlichen Vorgaben für die Themenwahl der Beiträge gemacht. Doch eine Mehrheit der Autoren orientierte sich an den weit gespannten Forschungsschwerpunkten des Jubilars. Naxos, die Kykladen und Epidauros stehen immerhin bei 11 Beiträgen im Mittelpunkt oder sind Ausgangspunkt (Coldstream, Simantoni-Bournia, Morris, Zaphiropoulou, Croissant, Kyrieleis, Peppa-Papaioannou, Etienne, Ohnesorg, Hermary, Mendoni) oder beziehen sich ausdrücklich auf L. als den Förderer des LIMC (Tiverios, Simon u.a.m.). Auch die anderen Beiträge gelten – mit zwei Ausnahmen – der Archäologie und Altertumskunde Griechenlands (die Ausnahmen Camporeale und Christou). Wenn man – ohne den Anspruch systematischer Präzision – sachlich inhaltlich gruppiert, dann widmen sich (Mehrfachnennungen sind geboten) 9 Beiträge der Architektur und Urbanistik (Parlama, Greco, Kienast, Coulton, Valavanis, Bouras, Peppa-Pappaioannou, Etienne, Ohnesorg), 8 Beiträge der Landeskunde und Topographie (Morris, Zaphiropoulou, Beschi, Sinn, Mitsopoulou-Leon, Christou, Etienne, Stambolidis); bei 10 Beiträgen steht Keramik im Zentrum der Argumentation (Kourou, Coldstream, Simantoni-Bournia, Croissant, Beschi, Tiverios, Lemos, Serbeti, Schauenburg, Boardman); 9 Aufsätze gehen Themen der Skulptur nach (Kyrieleis, Coulton, Torelli, Queyrel, Machaira, Delivorrias, Katakis, Hermary, Childs), 7 Beiträge betrachten ihr Material vorwiegend mit ikonographisch-ikonologischer Fragestellung (Tiverios, Lemos, Serbeti, Simon, Boardman, Zervoudaki, Queyrel); aus den Nachbarwissenschaften der Klassischen Archäologie sind zwei Aufsätze Problemen der Bronzezeit gewidmet (Parlama, Doumas) und benutzen deren 6 die Methodik der Epigraphik und Alten Geschichte (Chatzopoulos, Hermary, Palaiokrassa-Kopitsa, Matthaiou, Themelis, Mendoni); schliesslich bewegen sich nur drei Beiträge im Bereich von Rezeptionsforschung und Wissenschaftsgeschichte (Ohnesorg, Papadopoulos, Plantzos). Einen «roten Faden» kann der Band also nicht haben – das gewohnte Bild in Festschriften. Bei der Auswahl inhaltlich zu würdigender Beiträge kann Willkür nicht vermieden werden. Eine partielle Bevorzugung haben im Folgenden Beiträge in griechischer Sprache.

Zuerst also der Bereich der Archäologie als «Bildwissenschaft». Drei Beiträge gehen der spätarchaischen und vorklassischen Bildsprache attischer Vasenbilder nach. M. Tiverios greift erneut die Problematik einer Londoner sf. Amphora auf. Ein riesenhafter und vollgerüsteter, geflügelter Krieger springt in gewaltigem Satz von einem Schiff herunter aufs Ufer zu. Neben etlichen anderen Deutungsversuchen blieb die ältere Bestimmung der Gelehrten Pouilloux und Roux unbeachtet. Sie sahen darin den «trojanischen Sprung» Achills an Land bei Sigeion, von dem in späten Quellen die Rede ist. Aber erst T. kann hier die Interpretation mit einem Netz von Argumenten und Indizien zu Sicherheit verdichten, indem er die angemessenen Analogien für die «Göttlichkeit» Achills und seine «Schnelligkeit» beibringt und auf die Verbindung der Peisistratiden, aus deren Zeit das Bild stammt, mit Sigeion verweist. Der knappe Text besticht durch die konzentrierte Konsequenz der Interpretation.

A. Lemos erkennt – entgegen bisherigen Deutungsversuchen und sicher zu Recht – in den Männern und Jünglingen einer sf. Lekythos der Leagroszeit in Rhodos statt Tänzern / Komosteilnehmern eine Gruppe von athenischen Ballspielern bei dem οὐρανία genannten Spiel (Pollux). Das Ergebnis wäre eindrücklicher, wäre es nicht durch die umständliche Einführung der Vase im Proseminarstil halbwegs verstellt. Man erinnert sich wieder einmal an die alte Mahnung Andreas Rumpfs: «Die Abbildung erspart viele Worte, oder sollte sie doch ersparen. Alles, was auf dem Bild klar ist, gehört eigentlich nicht in den Text» (A. Rumpf, Archäologie II, Berlin 1956, 38). Für diesen und den folgenden Beitrag Serbeti gilt: Die Bilder der Lekythen kanonischer Form dürften heute auf Abrollungen mit der Periphery-Camera nicht mehr verzichten, wenn es um den Bildkontext geht.

E. Serbetis Beschäftigung mit einer vorklassischen Lekythos des Malers Mys in Athen bleibt auch sonst wenig befriedigend. Dargestellt sind im Hauptbild die apollinische Trias und Hermes, auf der Gefässschulter zwei Niken, die mit je einem Dreifuss in Händen auf einen Altar zufliegen. Wichtig ist die Information, dass ausser der Malersignatur auch die Gottheiten namentlich durch Beschriftung bezeichnet sind. Das korrigiert die nunmehr irrtümliche Vertauschung von Artemis und Leto durch T. Mannack (Künstlerlexikon der Antike 2, 2004, 104 f. s.v. Mys). Den Zusammenhang mit dem apollinischen Thargelienfest hatte bereits H. Froning 1971 festgestellt. Aber die Frage, in welchen Kontext die Geste gehört, mit der Artemis die prächtige Kithara ihrem Bruder entgegenstreckt, ohne dass er Zeichen erkennen lässt, sie entgegenzunehmen, wird gar nicht erst gestellt (Neueres zu Gesten und Gebärden in der griechischen Ikonographie s. M. Baggio, Eidola 3, 2006, 51-67 mit Lit.). Zu Lasten der Redaktion geht die konfuse Abfolge der Abbildungen, die den Bildzusammenhang fast unlesbar macht.

Zwei Beiträge beschäftigen sich in übergreifender Weise mit Mythenbildern. J. Boardman fragt in einem Essay, der auf Einzelinterpretation von Denkmälern verzichtet, nach der Entstehungszeit des Mythos von den Taten des jungen Theseus auf der Reise nach Athen. Er stellt die These zur Diskussion, dass dieser Teil der Theseussage erst eine dichterische Erfindung vom Ende des 6. Jhs. v. Chr. sei. Die Fragestellung ist insofern neu und lohnend, als enzyklopädische Darstellungen auch den Theseusmythos immer noch als ganzheitlich vorhandenen Komplex nacherzählen (DNP 12/1, 2002, 436 f. s.v. Theseus). Für die Griechen waren die Gestalten des Mythos zwar durchgängig durch alle Zeiten konkrete Gestalten der Vorzeit, aber wie die Tragiker des 5. Jh.s zeigen, konnte zum Mythos hinzuerzählt und neu erzählt werden. – E. Simon nimmt eine etruskische Gemme im Rundperlstil in Berlin mit der Darstellung eines eigentümlich liegenden Mannes und eines Stiers zum Anlass, über die Verwandlung des ehernen Riesen Talos in den Stier des Zodiakos nachzudenken.

E. Zervoudaki stellt einen Altfund aus dem Athener Kerameikos vor, das Fragment eines reliefierten Elfenbeintäfelchens aus dem 2. Jh. n. Chr., mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein Import aus Ägypten. Aias’ Raub der Kassandra vom Kultbild der Athena hinweg, eines der über Jahrhunderte in der Bildkunst gegenwärtigen ‹homerischen› Motive, gibt ikonographisch kein Problem auf. Doch es ist aufschlussreich, in welcher Weise die typologischen Varianten des Motivs in unterschiedlichen Materialgruppen und räumlich sowie zeitlich weit voneinander entfernten Werkgruppen und Werkstätten teils Konstanz haben, teils auch wandern. Dem geht die Verf. nach und liefert damit eine lohnende Fallstudie zu einer alten Fragestellung (s. D. Willers, Typus und Motiv, Antike Kunst 29, 1986, 137-150 Taf. 27-30).

Im Themenfeld der Skulptur kann H. Kyrieleis zur klassischen Plastik von Paros mit einer unerwarteten Entdeckung beitragen. Er identifiziert – überzeugend – das Fragment eines marmornen Werkstücks im Areal der Hauptkirche von Paros als Rest eines kolossalen Fussschemels, wie er nur bei Sitzfiguren des 5. und 4. Jhs. in Rundplastik und Relief vorkommt. Das Kultbild, zu dem der Fussschemel einst gehörte, muss dreifache Lebensgrösse gehabt haben.

In M. Torellis Studie zum Ludovisischen Thron (L. Th.) geht es um die einstige Funktion des Denkmals, um seine ursprüngliche Verwendung, nicht um Stil und Werkstattfragen, auch nicht um das leidige Echtheitsproblem. Er fordert eingangs Rückbesinnung auf die sicheren Grundlagen und widerspricht in diesem Sinn der Hypothese einer Herkunft aus dem Heiligtum von Masarà in Lokroi. Stattdessen versucht der Beitrag die ursprüngliche Herkunft aus dem Aphroditeheiligtum von Eryx auf Sizilien und die Wiederaufstellung im stadtrömischen – nicht weit vom Fundort gelegenen – Filialheiligtum der Venus Erucina mit neuen Argumenten zu untermauern und damit das inhaltliche Verständnis des Denkmals zu erweitern. Um zu dem – zugestandenermassen interessanten – Ergebnis zu gelangen bedarf es freilich einer neuen Kette hypothetischer Voraussetzungen und nur möglicherweise zutreffender Schlussfolgerungen. Wenn das Heiligtum auf dem Eryx in seinem Charakter phönizisch-orientalisch geprägt war und der L. Th. dorther stammt, dann kann man ihn mit typusverwandten Denkmälern aus östlichen phönizischen Heiligtümern vergleichen, konkret mit der «Tribuna» aus dem Heiligtum des Eshmun in Sidon. Da diese wegen ihrer hohen Aufstellung Altar nicht gewesen sein kann, schlägt der Verf. vor, in ihr einen «Götterthron» für ein figürliches oder anikonisches Kultbild zu erkennen, was dann auch für den L. Th. gelte. Beide Denkmäler tragen auf der Vorderseite Reliefbilder aus dem Mythos ihrer Gottheit, auf den Nebenseiten solche aus dem Ritus des jeweiligen Kultes. Man vgl. jedoch R. A. Stucky, Tribune d’Echmoun, Basel 1984, 43 ff. zur Gottheit von Sidon und 47 ff. zur Funktion des Denkmals von Sidon.

Auch Spekulationen über ein hochberühmtes Denkmal, die sich nicht auf neue Grundlagen stützen, können, wenn sie geistreich sind, die eigene Positionsfindung – und den Widerspruch – anregen, so A. Delivorrias’ Nachdenken über die hochklassischen, in Kopien erhaltenen «Dreifigurenreliefs». Er bestärkt die ältere Vermutung, dass sie Kopien einer berühmten, bisher unbekannten athenischen Grabanlage seien, und kündigt an, dass er sie als Zeugnisse vom Grab des Perikles im Demosion Sema erweisen will.

Die Materialvorlage von B. Machaira ist eine typische «Kostprobe» aus grösserem Zusammenhang: Sie macht nicht «satt». Die Verf. publiziert den Torso einer späthellenistischen männlichen Porträtstatue im Himation von der Akropolis in Rhodos, die 1965, sekundär verbaut, im Bereich eines Hauses gefunden wurde. Es werden einige typologische und stilistische Divergenzen zu den Porträtstatuen von Kos angemerkt, und eine knappe Skizze notiert einiges zur Geschichte der Mantelstatue seit dem 4. Jh. v. Chr., welch letzteres in der neueren Forschung aufgearbeitet ist (A. Lewerentz, Stehende männliche Gewandstatuen im Hellenismus, Hamburg 1993; der Torso in Rhodos ebenda 267 Nr. IV, 5 Abb. 23). Unterschiede im statuarischen Habitus und in den Werkstatttraditionen von Rhodos und Kos über die Andeutungen des Einzelfalles hinaus zu untersuchen, hätte eine weiterführende Fragestellung ergeben. Aber das bleibt offensichtlich der auf zwei Bände angelegten Bearbeitung der hellenistischen Skulptur von Rhodos durch die Verf. vorbehalten.

Zu der nun anderthalb Jahrzehnte währenden Diskussion über die Idealskulptur in der Spätantike des 4. Jh.s n. Chr. und den Anteil der Bildhauer von Aphrodisias daran liefert St. Katakis einen scheinbar vom Material her begrenzten, aber recht aufschlussreichen Beitrag. Von den drei vor fast 120 Jahren im damals königlichen Garten von Athen gefundenen, halb lebensgrossen Statuen ist die Nachbildung der Aphrodite von Aphrodisias bereits in die Diskussion eingeführt (M. Bergmann), was dem Verf. den Weg wies. Er stellt nun auch die beiden anderen Statuen des Asklepios und einer Priesterin (?) lege artis vor. Weil diese Werke sich nicht getreulich an die traditionelle Typologie halten, müssen in der ikonographischen Bestimmung vorerst einige Unsicherheiten bleiben. K. macht plausibel, dass die Statuen in der 2. Hälfte des 4. Jh.s entstanden sind. Dank diesem Zugewinn in der Forschung besitzen wir jetzt den ersten Nachweis, dass Bildhauer jener Spätzeit aus Aphrodisias auch in Athen selbst tätig waren und auch hier ihren eigenen Marmor mitbrachten.

Die Beiträge zur Architekturgeschichte und Bauforschung liegen gleichsam auf der Grenze zwischen «Bildwissenschaft» und «Ausgrabungswissenschaft». In der Nachbarschaft des Dionysos-Heilgtums von Ikarion in Attika liegt ein grosser Grabbezirk des späten 4. Jh.s v. Chr., der 1889/90 bei den amerikanischen Ausgrabungen ebenfalls untersucht, aber nur flüchtig publiziert worden war. Auch die neuere Beschäftigung mit den Resten gab noch keine befriedigende Vorstellung vom Ganzen. P. Valavanis geht genauer und gründlicher vor und kann die Schaufront verdeutlichen: Vier Marmorlekythen und zwei Lutrophoren standen zu Seiten von Palmettenstele und Naiskosrelief (beide ganz verloren). Vor allem aber kann der Verf. aus erhaltenen Resten eine 7 m hohe Säule, die einen mächtigen Marmorlebes trug, rekonstruieren. Sie stand als weithin sichtbares Mal im Inneren des Bezirks, der damit den auffälligsten späten Gräbern von Rhamnous zumindest gleichkommt.

Unter den hohen Pfeilermonumenten hellenistischer Herrscher, die von Viergespannen bekrönt waren, ist dasjenige Attalos’ II. auf der Athener Agora, das später für Kaiser Tiberius umgewidmet wurde, fast ganz in der «nachherulischen» Stadtmauer verbaut worden. Ch. Bouras kann die Rekonstruktion um zwei (fragmentierte) Blöcke der oberen Bekrönung vervollständigen, der eine auf der Agora nahe der Stoa des Königs aufgestellt, der andere im Nationalmuseum befindlich. Die Ausführung der Kymatien und sonstigen Bauornamentik zeigt, dass eine pergamenisch-kleinasiatische Werkstatt tätig war, womit bewiesen ist, dass das Monument eine Stiftung des Fürsten ist, nicht etwa eine der Athener für Attalos.

In Vitruvs Passage über die griechischen Säulenordnungen (IV, 1) nimmt J. J. Coulton sich des Vergleichs der jonischen Säulen mit dem weiblichen Körper an. Aus der Einzelanalyse des Wortgebrauches von basis, spira, calceus etc. ergibt sich, dass die von Vitruv verwendeten Analogien am deutlichsten in den architektonischen und skulpturalen Formen hocharchaischer Zeit erkennbar sind. Das widerspricht scheinbar der gängigen Meinung, dass Vitruvs Quellen im hellenistischen Pergamon zu suchen sind. Aber das Konzept anthropomorpher Termini für Architekturteile reicht in klassische und archaische Zeit zurück, worauf dann die hellenistischen Systematiker fussen.

Unter den Beiträgen der archäologischen Ausgrabungswissenschaft fiel mir die Vorlage von N. Stambolidis besonders auf – auch dies eine Vorabpublikation aus einer demnächst zu erwartenden grossen Arbeit. Das bedingt, dass einige Voraussetzungen und Eckdaten als gegeben hingenommen werden müssen und nicht überprüft werden können. Doch der Befund lohnt allemal die vorgezogene Diskussion. In der Nekropole Orthi Petra von Eleutherna stiessen die Ausgräber auf ein Kammergrab, das von 880/70 bis 675/50 v. Chr., also über zwei Jahrhunderte mit Brandbestattungen belegt wurde, danach aber durch glückliche Umstände versiegelt wurde. Der Verf. greift eine einzelne Bestattung heraus, eine « Urne », d. h. eine knossische Amphora des späten 8. Jh.s. Bestattet war ein ca. 25jähriger Mann. Die Beigaben sind Gefässe aus Bronze (tiefe und flache Schalen) und Fayence (amphorenförmige Lekythen), sämtlich importiert aus der östlichen Ägäis bzw. dem Vorderen Orient. Hinzu kommt eine Fayencestatuette der ägyptischen Göttin Sekhmet. Der Kontext der Grabkammer schliesst aus, dass ein Fremder bestattet wurde. Der Inhalt der Urne ist zu einheitlich, als dass es sich um blosse Souvenirs handeln könnte, die der junge Söldner aus fremden Diensten mitgebracht hätte. Der Befund, der Entsprechungen im übrigen Kreta hat, führt über den Einzelfall der möglichen kultisch-religiösen Prägungen des Verstorbenen hinaus und mitten hinein in die wieder aktuell gewordene Problematik «Die Griechen und der Orient» (so W. Burkerts Schrift von 2003).

Der einzige rezeptionsgeschichtliche Beitrag im engeren Sinn wird Ae. Ohnesorg verdankt. Die reich mit Palmetten und Ornament reliefierte Giebelwange des Aklepios-Altares von Epidauros hatte in der frühen Bauforschung ein eigentümlich flottierendes Schicksal. Es dauerte lange, bis die Rekonstruktion richtig erkannt war und der Giebel den ihm gehörenden Platz gefunden hatte. Doch die publizierten Zeichnungen wurden in der klassizistischen Bauornamentik und Skulptur des 19. Jh.s und bis in das frühe 20. Jh. hinein immer wieder zitiert und benutzt (Klenze, Schinkel und spätere bis nach Neuengland hin) – in der Rückschau durchaus unterhaltsam. Ich vermisse eine einschränkende Bemerkung: In das Repertoire des Classical Revival, in das die Denkmäler der ersten Bände der «Antiquities of Athens» aufgenommen wurden, gelangte der Giebel nicht. Der Supplementband von 1829 erschien einfach zu spät, um noch in gleicher Weise wirken zu können, die Hinwendung zum Mittelalter und zur Gotik hatte – in England wie auf dem Kontinent – bereits die Vorherrschaft gewonnen.

Insgesamt eine benutzerfreundliche typographische Gestaltung, sorgfältige Redaktion, sehr wenige Druckfehler, zumeist eine gute Abbildungsqualität, man sollte diese Fundgrube ausnutzen.

Der vollständige Titel:

Ε. Σημαντώνη-Μπουρνιά - Α. Α. Λαιμού - Λ. Γ. Μενδώνη - Ν. Κούρου, Ἀμύμονα ἔργα. Τιμητικός τόμος για τον καθηγητή Βασίλη Κ. Λαμπρινουδάκη. Archaiognosia, Supplement 5. Athen 2007. 588 S. Lex. 8° (28,8 x 21,4 cm). ISBN 973-960-6608-76-6. ISSN 0258-2600.

Inhalt:

15-23 Schriftenverzeichnis B. K. Lambrinudakis

25-48 Λ. Παρλαμά, Παλαμάρι Σκύρου. Παρατηρήσεις στην εξέλιξη του οικισμού κατά την 3η π.Χ. χιλιετία και προβλήματα αστικοποίησης

49-61 Ν. Χρ. Σταμπολίδης, Ένα κλειστό σύνολο. Ανιχνεύοντας αιγυπτιακές και ανατολικές επιρροές στις μεταθανάτιες δοξασίες τις γεωμετρικής – αρχαϊκής Ελεύθερνας

62-76 N. Kourou, Silent Offsprings and Dutiful Parents: Amphoriskoi and multiple Vases in Early Iron Age Burials

77-83 J. N. Coldstream, In the Wake of Ariadne: Connexions between Naxos and Crete, 1000-600 BC

84-95 Ε. Σημαντώνη-Μπουρνιά, Ένας κένταυρος ... ναξιώτης

96-108 S. P. Morris, Apollo, Dionysos and Zeus: On the Sacred Landscapes of Ancient Naxos

109-118 Φ. Ν. Ζαφειροπούλου, Η Πάρος των πρόιμων χρόνων

119-132 F. Croissant, Aux origines du Style Parien

133-140 H. Kyrieleis, Die Spur einer klassischen Kolossalstatue auf Paros

141-154 L. Beschi, Depositi di fondazione nel santuario arcaico die Efestia (Lemno)

155-164 E. Greco, Le mura di Efestia

165-176 H. Kienast, Ein halbfertiges Volutenkapitell von den Phourni-Inseln

177-188 U. Sinn, Die Ἱερὰ κορυφὴ der Arkader. Zur sakralen Topographie des Zeus-Heiligtums im Lykaion

189-200 V. Mitsopoulou-Leon, Zu Knaben und Mädchen in Artemisheiligtümern. Die Aussage der Quellen und Votive

201-210 J. J. Coulton, „A Base for a Shoe“: Women and Columns in Vitruvius 4.1.7

211-222 Μ. Τιβέριος, « Τὸ Τρωικὸν πήδημα »

223-236 A. A. Lemos, Aristocrats at Leisure: A Leagran Lekythos in the Rhodes Archaeological Museum

237-246 Ε. Σερμπέτη, Η λήκυθος 1626 του Εθνικού Αρχαιολογικού Μουσείου

247-256 K. Schauenburg, Zu einem attischen Askos und einem apulischen Doppelgefäss in Privatbesitz

257-264 J. Boardman, Athenian Theseus and some Ancient Greek Punishments and Executions

265-270 E. Simon, Talos und der Stier des Zodiakos

271-280 Η. Ζερβουδάκη, «Τὸ Αἴαντος ἐς Κασσάνδραν τόλμημα»

281-296 Π. Βαλαβάνης, «Ἐπὶ κίονος εὖ μάλα ὑψηλοῦ». Κιονωτό επιτύμβιο μνημείο στο Ικάριον Αττικής

297-304 Χ. Μπούρας, Η επίστεψη του τιμητικού βάθρου του Αττάλου Β' στην αθηναϊκή Αγορά

305-318 Ε. Πέππα-Παπαϊωάννου, Τα υδραυλικά έργα και η χρήση του νερού στο Ασκληπιείο της Επιδαύρου

319-335 R. Etienne, Histoire des éspaces civiques Déliens

336-351 M. Torelli, Il «trono Ludovisi» da Erice all’Oriente

351-362 F. Queyrel, Une énigme iconographique: Que tient le dieu Déimos sur la frise nord de l’Autel de Pergame ?

363-374 Β. Μαχαίρα, Μαρμάρινος ανδριάντας από το αίθριο ελληνιστικής οικίας στη Ρόδο

375-388 Α. Δεληβορριάς, Τα τρίμορφα ανάγλυφα για μία ακόμη φορά

389-408 Στ. Ε. Κατάκης, Τρία μικρασιατικά αγαλμάτια της ύστερης αρχαιότητας από τον Εθνικό Κήπο της Αθήνας. Μια πρωτή προσεγγισή

409-420 Χρ. Γ. Ντούμας, Γιατί «χρυσός» ;

421-436 G. Camporeale, Il rame (e il bronzo) d’Etruria secondo gli scrittori antichi

437-452 Δ. Χρήστου, Γενικά δεδομένα των νεοτέρων ανασκαφικών ερευνών στο Κούριο

453-462 Ae. Ohnesorg, Das Nachleben einer antiken Architekturform. Die Geschichte der Giebelwange des Asklepios-Altars von Epidauros seit ihrer Auffindung

463-473 J. K. Papadopoulos, Shattering the Relics of King Minos: The Reconstruction of Knossos, the Old Museum at Herakleion, and the 1926 Earthquake

474-485 M. B. Hatzopoulos, Institution royale et communauté civique (Sparte, Épire, Macédoine)

485-493 A. Hermary, L’offrande de la Parienne Krinô à l’Artémis Délienne

494-500 Λ. Παλαιοκράσσα-Κόπιτσα, «Καὶ τάδε ἐκ τοῦ δρόμου χαλκὰ ... λυχνουρέοντες»

501-508 Α. Μ. Ματθαίου, Το Θέατρον και το Λύκειον

509-528 Π. Θέμελης, Τα Κάρνεια και η Ανδανία

529-558 Λ. Γ. Μενδώνη, Συμβολή στην προσωπογραφία της Κέας: Κείοι εκτός συνόρων

559-565 W. A. P. Childs, Intimacy, Immanence, and Art in the Fourth Century BC

566-583 Δ. Πλάντζος, Ο κλασικός αρχαιολόγος και η διακύβευση του παρελθόντος