Zarmakoupi, Mantha : Designing for Luxury on the Bay of Naples. Villas and Landscapes (c. 100 BCE - 79 CE). Oxford Studies in Ancient Culture & Representation. 352 pages | 135 in-text black and white illustrations | 246x189mm, ISBN 978-0-19-967838-9 | Hardback | £85.00
(Oxford University Press, Oxford 2013)
 
Compte rendu par Erwin Pochmarski, Universität Graz
(erwin.pochmarski@uni-graz.at)

 
Nombre de mots : 3205 mots
Publié en ligne le 2014-12-17
Citation: Histara les comptes rendus (ISSN 2100-0700).
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          Die vorliegende Publikation ist aus einer in den Jahren 2003-2007 verfassten Dissertation entstanden, wobei einzelne Aspekte der Arbeit bereits in einer Reihe von gedruckten Beiträgen in Tagungs- und Sammelbänden behandelt worden sind, die von der Autorin an der betreffenden Stelle angeführt werden. Diese Artikel finden sich auch in der Bibliographie zu dem Buch und betreffen die Jahre 2006-2011 [1].

 

          Die Verf. befasst sich nach ihrer eigenen Aussage (VII) einerseits mit einer Entwurfsanalyse der römischen Luxusvillen-Architektur und andererseits mit einer kulturellen Analyse des römischen Luxusvillen-Lebensstils. Das Zentrum der Studien bilden fünf Villen um den Golf von Neapel - die Villa dei Papiri, die Villa Oplontis A, die Villen Arianna A und B und die Villa S. Marco - , die von 50 v. Chr. bis 79 n. Chr. reichen. Diese Villen werden im 2. Kapitel (25-74) in Form von Fallstudien behandelt. An das 2. Kapitel schließen sich die Kapitel 3-6 an, in denen einzelne zentrale Aspekte der Villenarchitektur - Portikus und Kryptoportikus (3: 75-102), Peristylgärten (4: 103-140), Wasseranlagen (5: 141-177) und Speiseräume (6: 179-212) - erörtert werden. Ein 7. Kapitel (Entwürfe für den Luxus: 213-243) fasst die Thesen der Autorin noch einmal zusammen. Es folgt ein Appendix (245-263), in dem noch einmal die Gärten mit Portiken in den genannten Villen zusammengestellt sind.

 

          Das 1. Kapitel (Roman luxury villas, Introduction, historiography and scope, 1-23) gibt eine Einleitung zur Thematik der Luxusvillen, befasst sich weiters mit der Forschungsgeschichte zu dieser Thematik und nennt schließlich das eigentliche Ziel der Arbeit. Einleitend hält die Verf. fest, dass die Luxusvillen eines der wichtigsten Merkmale des Lebensstils der römischen Eliten vom Ende des 2. Jhs. v. Chr. bis zum 4. Jh. n. Chr. darstellen (1). Dabei betont sie, dass die römischen Luxusvillen weder in Italien, noch im hellenistischen Osten Vorläufer hätten und bezieht sich dabei auf eine Aussage von H. Lauter, wonach die römische Villa als ein Produkt spezifischer sozialer und ökonomischer Bedingungen in Italien zwischen der späten Republik und der Kaiserzeit zu verstehen sei, für die es in der Architekturgeschichte keine Vorläufer gebe. Allerdings lautet der Titel von Lauters Aufsatz just „Hellenistische Vorläufer der römischen Villa" [2]. Die wichtigsten antiken Autoren zum Thema der Landwirtschaft - Cato, Varro und Columella - bezeugen die Schaffung eines neuen Bautyps zur Verbindung der landwirtschaftlichen Produktion mit einem Lebensstil der luxuriösen Muße.

 

          In ihrer Betrachtung der Forschungsgeschichte (8-12) weist die Autorin zu Recht darauf hin, dass die ältere Forschung sich vornehmlich mit den architektonischen Elementen der Villenarchitektur befasst habe und dass erst seit den 1970er Jahren Aspekte der Sozial -und der Kulturgeschichte in der Forschung berücksichtigt worden wären. Dabei beruft sich die Verf. auf J. S. Ackermann, der in der römischen Villa nicht nur den Ausgangspunkt eines Bautyps, sondern auch der Ideologie des Lebens auf dem Land gesehen habe (10) [3]. In diesem Zusammenhang weist M. Zarmakoupi auch auf die Bedeutung der römischen Kopien von Skulpturen für die Luxusvillen hin, wobei allerdings in den Anm. 56 und 57 und in der Bibliographie wichtige Arbeiten fehlen [4].

 

          Bei der Definition des von ihr angestrebten Ziels bzw. der von ihr angewandten Methodik (13-17) verweist die Autorin darauf, dass bereits frühere Studien Phänomene der römischen Luxusvilla identifiziert hätten, indem sie die architektonischen Elemente der Villen sowie ihre Skulpturen, den Dekor, die Wandmalereien und die Mosaikböden als Teil des Villenmilieus studiert hätten. Das Ziel der vorliegenden Untersuchung sei die Herstellung des Zusammenhanges mit der Lebensform der Luxusvilla. Besonders wird von ihr hervorgehoben (20), dass erstmals in der westlichen Kultur durch die Villenarchitektur die Landschaft als ein Thema eigenen Rechtes einbezogen worden sei. Als wesentliches neues Element der visuellen Sprache der Villenarchitektur sei die neue Technik des opus caementitium zu nennen, welche Bauten in monumentalem Maßstab in beispielloser Schnelligkeit ermöglichte.

 

          Im 2. Kapitel werden die genannten fünf Villen - von denen die Villa Arianna B als eigene Anlage verzichtbar wäre - als Fallstudien abgehandelt. Die Anlage der Villen am Golf von Neapel sei bereits am Ende des 2. Jhs. v. Chr. so dicht, dass Strabon (5, 4, 8) sich an eine einzige Stadt erinnert fühle (26). Nicht ganz einsichtig im Sinne der von Varro getroffene Definition von villa urbana und villa rustica [5] (vgl. S. 5) ist die Feststellung der Autorin, dass die Villen um Pompeji zu diesem Zeitpunkt noch Bauernhöfe (villae rusticae) gewesen seien, die auf die Produktion von Wein und Öl spezialisiert gewesen seien (26). Als Gegenbeispiel lässt sich die suburbane Villa dei Misteri nennen, die erst nach 62 n. Chr. auch landwirtschaftlich genutzt wurde.

 

          Bei der Behandlung der Villa dei Papiri (28-44) ist es von Wichtigkeit, dass die Verf. die Ergebnisse der neuen Ausgrabungen in ihre Überlegungen mit einbeziehen konnte [6]. Die Baugeschichte der Villa wird von ihr aufgrund der neuen Ausgrabungen dahingehend neu interpretiert, dass der Atrium-Bezirk der Villa gemeinsam mit dem langrechteckigen Peristyl im 3. Viertel des 1. Jhs. v. Chr. (40-25 v. Chr.) errichtet worden sei (41). Bezüglich der Datierung der Skulpturen aus der Villa in das 3. Viertel des 1. Jhs. v. Chr. schließt sich die Verf. V. Moesch an [7].

 

          Besonders wichtig erscheint die Villa Oplontis A (45-53), wobei heute allerdings nur die östliche Hälfte der Villa sichtbar ist, während der südliche und der nördliche Abschluss fehlen, und es unklar ist, ob die westliche Hälfte symmetrisch zur östlichen angelegt war. In der knappen Grabungsgeschichte wird von der Autorin eine Arbeit von A. de Franciscis genannt, die so in der Literatur nicht auftaucht [8]. Auch hier berichtet Z. über die Ergebnisse der neuen Ausgrabungen in der Villa Oplontis A - zum Unterschied von den beiden benachbarten Villen Oplontis B und C. Diese hätten neue Informationen über die erste Phase der Villa aus der Mitte des 1. Jhs. v. Chr. und die Erneuerungen im 3. Stil westlich vom Atrium gebracht. Sie verweist dabei (49) auf die Struktur mit Säulen im Bereich von Raum 16, bei der es sich wohl um ein Atrium gehandelt haben muss. Unklar bleibt die Feststellung, dass die Wandmalereien 2. Stils im Oecus 15 keine Einladung zu illusionistischen Architektur- oder Landschaftsansichten darstellten (50). Hingegen wird man der Autorin zustimmen dürfen, dass die Wandmalereien 2. Stils in Oplontis den politischen und sozialen Wunsch der Mitglieder der spätrepublikanischen Aristokratie erweisen, sich als Erben der hellenistischen Kultur zu zeigen.

 

          Villa Arianna A (54-66) und B (66-68), die früher als ein einziger Komplex behandelt wurden, werden von Z. zu Recht getrennt, wobei allerdings die möglichen Aussagen zur Villa Arianna B begrenzt sind. Der Plan der Villa Arianna A sei komplex, was an aufeinanderfolgenden Bauaktivitäten am Rand des Hügels liege (60). Die beiden Villen Arianna A und B weichen von den orthogonalen Plänen der Villa Oplontis A und der Villa dei Papiri ab, was wohl in erster Linie durch das Gelände bedingt ist.

 

          Von ihrer Plananlage von ähnlicher Bedeutung wie die Villa Oplontis A ist die Villa S. Marco (68-74). Hier kann die Autorin auf die grundlegende Publikation von A. Barbet und P. Miniero zurückgreifen, bei der allerdings in der Bibliographie der Erscheinungsort Paris und der Verlag de Boccard nicht angegeben sind. Wichtig sind auch die Zusammenhänge mit der westlich (nicht südlich, wie Z. schreibt) gelegenen Villa del Pastore sowie den Villen Arianna A und B.

 

          Die folgenden Kapitel befassen sich mit einzelnen, plan- und identitätsstiftenden Elementen der römischen Luxusvillen-Architektur, an erster Stelle mit Portikus und Kryptoporticus (3: Porticus and cryptoporticus, 75-102), die zu den charakteristischen Elementen gehören, mit denen luxuriöses Villen-Leben und Villen-Architektur assoziiert werden (75). Zu Recht weist Z. darauf hin, dass mit den Portiken die hellenistische Kultur in der römischen Privatsphäre rezipiert wird. Durch die beiden Elemente von Portikus und Kryptoportikus werde die Grundlage für die Einbeziehung der Landschaft in die Villenarchitektur geschaffen, wie es auch die bukolische Dichtung und die Landschaftsmalerei zeigen würden (78) [9]. Z. geht in dem Kapitel der Geschichte der Portikus in der öffentlichen Architektur nach, wobei in der hellenistischen Stadt die Stoen eine erste Position bei der Bildung des urbanen und des religiösen Raumes innehätten (81) [10]. Hier ist auf S. 81 die Anm. 20 zu korrigieren, in der statt von Antiochos I von Antigonos I die Rede ist. Im 1. Jh. v. Chr. und im 1. Jh. n. Chr. entstünden in Rom die Quadriportiken bei den Bauprojekten der Kaiser in Rom (83), wobei im 1. Jh. v. Chr. wohl noch nicht viel von kaiserlicher Baukunst die Rede sein kann, da die Kaiserforen großteils erst im 1. Jh. n. Chr. entstehen und auch das Forum Augusti erst 2 v. Chr. eingeweiht wird. In diesem Zusammenhang muss richtiggestellt werden, dass das Forum Transitorium eigentlich nicht zwischen dem Forum Iulium im Westen und dem Forum Augusti im Nordwesten eingequetscht ist, sondern zwischen dem Forum Augusti und dem Forum Pacis.

 

          Wichtig sind auch die Bemerkungen der Autorin zur Terminologie (85-88), wobei der Begriff xystus für sie nach dem Sprachgebrauch von Cicero und Plinius d. J. ein Weg unter freiem Himmel ist, der von Bäumen flankiert wird (86) [11]. Die Kryptoporticus sei ein halb unterirdischer, geschlossener Durchgang mit Seitenmauern statt Säulen und Fenstern auf zumindest einer der beiden Seiten [12].

 

          Zum Alltagsleben in einer gebildeten Muße (otium) führt Z. im Gefolge von Plinius d. J. an, dass die beiden Bauteile Portikus und Kryptoportikus für das Lesen und Schreiben (nach Plin. epist. 9, 36, 1-3 vielleicht besser Diktieren) wie geschaffen seien. Bezüglich der Villa S. Marco und der angeblichen Kryptoportikus 51 muss richtiggestellt werden, dass es sich hier jedenfalls um eine Portikus handelt, da sie sich nach einer Seite mit Säulen öffnet.

 

          Mit dem folgenden Kapitel (4: Porticoed gardens, 103-140) nähert sich die Autorin einer Kernaussage ihrer Arbeit, die auch schon im vorhergehenden Kapitel angeklungen war, dass nämlich durch Portiken und Kryptoportiken die Räume der Villa in die Landschaft ausgedehnt worden seien (94). Bezüglich der Gartenperistyle stellt Z. nun fest, dass die Architekten ausgehend vom hellenistischen rechteckigen Peristyl zu einem offenen Arrangement der Portiken in der Nähe von Gärten gelangt seien (103). Den Übergang von dem rechteckigen Peristyl zur dreiseitigen Porticus, indem sich die vierte Seite gegen die Landschaft öffne, versucht die Autorin durch die Villa Olplontis A mit der Porticus 40 und dem Garten 59 zu exemplifizieren, was insofern nicht greift, als die S-Seite dieses Peristyls einfach nicht erhalten ist; dasselbe gilt auch für den nördlichen Portikusgarten 33-34-56, dessen Nordseite wohl nicht vollständig ergraben ist; in ähnlicher Weise muss zur Villa S. Marco gesagt werden, dass von dem Peristylgarten E.2 die SW-Seite einfach nicht vorhanden ist. Aufgrund dieser nicht unbestrittenen Entwicklung würde der Terminus Portikusvilla (nach K. M. Soboda [13]) besser passen als Peristylgarten oder Gartenperistyl (105), womit allerdings unterschiedliche Begrifflichkeiten angesprochen sind. Nicht ganz stimmig ist auch der Vergleich zwischen den Peristylen hellenistischer Paläste und jenen der Stadtwohnhäuser in Pompeji, die eine nachträgliche Hinzufügung zur bestehenden Struktur um das Atrium seien (106). Es lässt sich sehr wohl zeigen, dass in den frühen Villen die von Vitruv (6, 5, 3) angesprochene Abfolge von zuerst Peristyl und dann Atrium Realität ist.

 

          Im Abschnitt über eine neue Architektur-Sprache: Peristyl-Struktur und Vergnügungsgarten (114-122) versucht Z. zu zeigen, dass es sich um zwei grundsätzlich verschiedene Konzepte handle, wobei durch die Einbeziehung des Gartens in das Peristyl der Einfluss des hellenistischen Ostens gezähmt worden sei. Diese Erörterungen münden in den Abschnitt über eine neue Design-Sprache von Architektur, Kunst und Landschaft (122-140), der wieder als Kernsatz die Transformation der rechteckigen Peristyl-Struktur aus dem Hellenismus in Richtung auf ein offenes Arrangement mit Portiken und Gärten enthält (139): angesichts der Plananlagen der angesprochenen Villen wird man dieser These gegenüber vorsichtig sein müssen. Den Kern der Anlage bilden weiterhin geschlossene Peristyle.

 

          Im 5. Kapitel (Water features: Euripi, natationes and nymphaea, 141-177) wendet sich die Verf. dem Wasser zu, das seit dem 1. Jh. n. Chr. ein essentielles Element der Villenarchitektur darstelle (141). Die seit der 2. Hälfte des 2. Jhs. v. Chr. entstehenden Aquädukte [14] gewährleisten eine großzügige Wasserversorgung, die einerseits erst die Kultur der öffentlichen Bäder ermöglicht, andererseits in den Villen das Wasser für Brunnen, Becken und Nymphäen bereitstellt. Im Zusammenhang mit den Nymphäen berührt die Autorin auch die Grotten von Sperlonga und Punta dell'Epitaffio in Baia: zu ersten stellt sich die Frage, inwieweit sie augusteisch sein kann, zur zweiten wäre B. Andreae nachzutragen [15]. Zu Nil und Euripus macht Z. zu Recht auf den ägyptischen bzw. griechischen Einfluss auf die Wasserstrukturen der Römer aufmerksam (157-163). Hier muss zu den angeblich ägyptischen Themen der statuarischen Ausstattung des Canopus in der Villa Hadriana darauf verwiesen werden, dass in Anbetracht der Koren und Silene bzw. der Amazonen und Krieger kaum von einem ägyptisierenden Programm gesprochen werden kann. Das Eindringen der Schwimmbecken in das Vokabular der Luxusvillen-Architektur seit dem Anfang des 1. Jhs. v. Chr. steht nach Z. in Zusammenhang mit einer Änderung der Haltung gegenüber Schwimmen, Baden und Sonnenbaden (173). Zu den mythologischen Themen, die in den Wandmalereien, Mosaiken und Skulpturen der Villen durch die Wasseranlagen angeregt worden seien, gehörten vor allem die Nymphen und der marine Thiasos bzw. Odysseus und seine Gefährten (174). Die Verf. geht kurz auf die Skulpturen von Sperlonga ein, wobei aus der Sicht des Rez. eine Datierung in flavische Zeit [16] anzunehmen ist. Zu den Brunnenskulpturen wäre auf S.176 Anm. 135 die Dissertation von F. Glaser nachzutragen [17].

 

          Ein wichtiges Kapitel für die Villenstruktur stellt auch das 6. Kapitel (Triclinia and dining facilities, 179-212) dar. Die Autorin befasst sich zunächst mit den Bestandteilen der luxuriösen Dinner-Parties (180-188), zu denen das Essen, der Koch und das Szenario rund um das Essen gehörten (180). Stillleben und exotische Tiere sowie die Xenia in den Wandmalereien der Speiseräume stellten eine Anspielung auf den Essluxus dar (182). Aus dem Raum mit drei Klinen (triclinium) werde seit der spätrepublikanischen Zeit jeder zum Speiseraum unbeschadet seiner Größe (189). Die Änderungen der Größe der Speiseräume stehe auch in Zusammenhang mit dem begleitenden Vorführen von Musik, Tanz und Pantomime (190). Anhand der Speiseräume lässt sich vielleicht am ehesten die These von Z. verstehen, dass sich die Villa zur Landschaft innerhalb und außerhalb der Villa öffne.

 

          Schließlich fasst Z. im 7. Kapitel der Arbeit (7: Designing for luxury, 213-243) die von ihr erzielten Ergebnisse noch einmal zusammen. Die römischen Luxusvillen seien eine Zeichen des Lebensstils der Eliten, wobei zu diesem Lebensstil Luxus und otium gehörten. Im Einklang mit ihren Ergebnisse steht die von J. S. Ackermann getroffene Unterscheidung zwischen zwei Villentypen, jenen mit einem kompakten Stil und solchen mit einem sich ausbreitenden Stil (214) [18]. Im Unterschied zum Stadtwohnhaus mit dem Atrium als Kern des Baues seien der Kern der Villa die Speiseräume, ihr Gesicht die Fassade mit den Portiken (222). Diese Säulenhallen akzentuierten die Präsenz in der Landschaft und seien ein Teil der Selbstdarstellung des Villenbesitzers.

 

          Die Bedingungen für das luxuriöse Leben in der Villa seien ökonomische, soziale, politische und kulturelle Faktoren, die auch die Villen als solche mit gestalteten (240). Entscheidend für die Konzeption der Villa sei die Eroberung des hellenistischen Ostens und der damit verbundene Überfluss an Ressourcen für Aristokratie und Ritterstand.

 

          Wenn man auch nicht bis in alle Einzelheiten mit den Ergebnissen der Arbeit einverstanden sein muss, so wird man sie als einen wertvollen Anstoß zu weiterer Diskussion über die Villenthematik ansprechen dürfen. Die Arbeit glänzt durch eine sehr ausgedehnte Dokumentation, was sich nicht zuletzt in einer umfangreichen Bibliographie niederschlägt (265-301). Hier ließen sich einige kleinere Druckfehler beanstanden (z. B. Neuerberg statt Neuerburg. Pandermalis, Zum Programm der Statuenausstattung in der Villa dei Papiri, statt nur Statuenausstattung), aber das sind Details. Die Abbildungen sind sehr instruktiv, ihre Qualität lässt manchmal zu wünschen übrig, was man aber nicht der Autorin anlasten wird. Man darf ihr vielmehr für diese sehr gelehrte und abgerundete Arbeit dankbar sein.

 

 


[1] Dabei vermisst man die beiden Artikel: M. Zarmakoupi, Light design concepts in Roman luxury villa architecture, in: Licht. Konzepte in der vormodernen Architektur. Internationales Kolloquium in Berlin vom 26. Februar - 1. März 2009, veranstaltet vom Architekturreferat des DAI (Regensburg 2011) 158-172; M. Zarmakoupi, The architectural design of Roman luxury villas around the Bay of Naples (circa 100 B.C.E. - 79 C.E.), Amoenitas 1, 2010, 35-43, deren Nennung vielleicht aus Bescheidenheit unterblieben ist, die aber thematisch hierher gehören.

 

[2] H. Lauter, Hellenistische Vorläufer der römischen Villa, in: A. Frazer (Hrsg.), The Roman Villa: Villa Urbana: First Williams Symposium on Classical Architecture held at the University of Pennsylvania, Philadelphia, April 21-22, 1990, University Museum Monograph 101, University Museum Symposium Series 9 (Philadelphia 1998) 21-27.

 

[3] J. S. Ackermann, The Villa: Form and Ideology of Country Houses, A. W. Mellon Lectures in the Fine Arts: 1985, Bollingen series 35: 34 (Princeton 1990).

 

[4] P. Zanker, Klassizistische Statuen (Mainz 1974); B. Andreae, Paretorium Speluncae. Tiberius und Ovid in Sperlonga, AbhMainz 1994 Nr. 12.

 

[5] Vgl. H. Mielsch, Die römische Villa. Architektur und Lebensform (München 1987) 7-11.

 

[6] Vgl. M. Zarmakoupi (Hrsg.), The Villa of the Papyri at Herculaneum. Archaeology, Reception, and Digital Reconstruction. (Berlin - New York 2010) (Sozomena. Studies in the Recovery of Ancient Texts, 1).

 

[7] V. Moesch, Sculture in marmo della Villa dei Papiri ad Ercolano: Contributo alla conoscenza delle botteghe di scultori di età romana in Campania, PhD diss., Università degli Studi di Napoli Federico II (Neapel 2009).

 

[8] A. De Franciscis, Die pompejanischen Wandmalereien in der Villa von Olpontis (Recklingshausen 1975); das betreffende Zitat müsste lauten: A. De Franciscis, La villa romana di Oplontis, in: Neue Forschungen in Pompeji und den anderen vom Vesuvausbruch 79 n.Chr. verschütteten Städten. [Internationales Kolloquium Essen 11.-14. Juni 1973.] (Recklinghausen 1975) 9-17.

 

[9] Vgl. J. Freiberger, Villa und Landschaft. Römische Villen- und Landschaftsdarstellungen auf Wandmalereien, Reliefs und Mosaiken, ungedr. Dipl. (Graz 2012).

 

[10] Zu den Stoai im öffentlichen Bereich der Agorai: vgl. E. Pochmarski, Zur Chronologie der S-Stoa in Elis, ÖJh 60, 1991, 7-17.

 

[11] Nicht hier, sondern erst auf S 89 Anm. 65 weist die Verf. darauf hin, dass mit Xystos im griechischen Gymnasion die gedeckte Laufbahn gemeint sei.

 

[12] Allerdings wird die Kryptoporticus von der Autorin auf S. 88 sogar als oberirdischer Gang angesprochen.

 

[13] K. M. Swoboda, Römische und romanische Paläste: Eine architekturgeschichtliche Untersuchung (Wien 1919).

 

[14] Zu den Aquädukten und Frontin: vgl. M. Hainzmann, Wasser für Rom: Die Wasserversorgung durch Aquädukte. Sextus Iulius Frontinus, De aquaeductu urbis Romae (Zürich 1979).

 

[15] B. Andreae, Il ninfeo di Punta dell'Epitaffio a Baia, in: Giornate di studio in onore di Achille Adriani. Roma, 26 - 27 novembre 1984 (Roma 1991) 237-265.

 

[16] Vgl. F. Brein, Zum Laocoon, in: Classica et provincialia. Festschrift Erna Diez (Graz 1978) 33-38.

 

[17] F. Glaser, Antike Brunnenbauten (κρῆναι) in Griechenland. (Wien 1983) (Österreichische Akademie der Wissenschaften. Philosophisch-Historische Klasse. Denkschriften, 161).

 

[18] Ackermann (oben Anm. 3),